Ergonomieforum

Ergonomie fordert Innovation

Beim Innovationstag 2019 haben wir im Forum „Ergonomie fordert Innovation“ fünf neue, innovative Formenträgersysteme und Konzeptstudien speziell für das Umgießen von großflächigen Autogläsern, wie zum Beispiel einteilige Panoramadächer, vorgestellt. Alle Typen sind elektrisch angetrieben, mit Plattenbreiten von bis zu 2.500 mm und -tiefen bis 1.600 mm ausgestattet und zählen zu den weltweit größten Formenträgersystemen für die Glasveredelung.

Sie sind speziell für das bedienerfreundliche Handling bei diesen ungewöhnlichen Dimensionen optimiert. Mit dem BFT-P V8 und dem BFT-P V10 haben wir zwei komplett auskonstruierte Formenträgersysteme ausgestellt, auf denen der Polyurethaneintrag bei horizontaler Werkzeugausrichtung stattfindet. Daneben waren zwei 1:1-Modelle zu sehen, bei denen Werkzeuge vertikal gespannt werden und der Polyurethaneintrag von unten in die geschlossene Form erfolgt. Außerdem haben wir den konstruktiven Entwurf einer Konzeptstudie für ein weiteres horizontales System gezeigt.

Modell 1: BFT-P V8 – horizontal umgießen mit schwenkbarem Turm

Bei dem Formenträgersystem BFT-P V8 mit klassisch horizontal ausgerichteter Schäumlage, wird die bedienerfreundliche Ergonomie durch einen schwenkbaren Turm erreicht. Beim BFT-P V8 können die Werkzeughälften nacheinander auf bequemer Bedienhöhe präsentiert werden. So lässt sich mühelos die gesamte Form erreichen.

Der BFT-P V8 mit einer Schließkraft von 300 kN war die erste Neuentwicklung, daher konnte er seine Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit bereits in umfassenden Praxistests unter Beweis stellen. Über mehr als eine Million Arbeitszyklen hinweg wurde die Modellvariante mit Zahnriemenantrieb geprüft und optimiert. Im Praxistest war er komplett wartungsfrei, lediglich die Linearführungsschlitten mussten nachgefettet und der Zahnriemen nachgespannt werden.

Modell 2: BFT-P V10 – horizontal umgießen mit seitlichem Shuttle

Als zweite Modellalternative haben wir den BFT-P V10 entwickelt, eine Bestellung des Automobilzulieferers Pilkington. Bei dem Formenträgersystem, mit ebenfalls horizontaler Schäumlage, fährt ein Shuttle das Werkzeugunterteil nach dem PUR-Umgießen des Glases seitlich aus dem Trägergestell heraus. So können die obere und die untere Werkzeughälfte von zwei Werkern gleichzeitig bedient werden. Da das System von vorne und hinten frei zugänglich ist, lassen sich außerdem Zu- und Abführsysteme für Bauteile, Einlegeteile und Werkzeuge rasch integrieren. Bei Bedarf kann mit dem BFT-P V10 auch vollautomatisch gefertigt werden, beispielsweise mithilfe eines Roboters, der Werkstücke einlegt und entnimmt.

Modell 3: Konzeptstudie K3 – horizontal umgießen mit vor- und zurückfahrendem Shuttle

Das dritte Modell, die Konzeptstudie K3, ist eine Variante des BFT-P V10. Wie bei diesem, erfolgt auch im Modell 3 der Polyurethaneintrag in horizontaler Werkzeuglage. Er ist ebenfalls mit einem Shuttle ausgestattet, das sich allerdings vor- und zurückbewegt. So kommt das Werkzeug zu dem Bediener hin

Modell 4: Die 1:1-Konzeptstudie K4 – vertikal umgießen und horizontal öffnen

Die Konzeptstudie K4 wagt mit dem vertikalen Umgießen einen radikalen Bruch gegenüber den ersten drei Modellen. Auf dem Ergonomieforum wurden Teilkomponenten in Originalgröße gezeigt. Interessenten konnten sich zwischen den beiden 2,5 m hohen und 1,6 m tiefen Formaufspannplatten bewegen, die im Abstand von eineinhalb Metern parallel zueinander aufgestellt waren. Zum Umgießen von Gläsern fahren die Platten mit den aufgespannten Werkzeugen horizontal aufeinander zu. Die produktionstypischen Plattentemperaturen von 80 ºC vermittelten den Besuchern einen realistischen Eindruck von der Arbeitsatmosphäre des Bedieners.

Modell 5: Die 1:1-„Buchmodell-Konzeptstudie“ K5 – vertikal umgießen, rotierend öffnen und schließen

Wie ein stehendes Buch öffnet und schließt sich die ebenfalls für das vertikale Umgießen gedachte Konzeptstudie K5, die auf dem Ergonomieforum als 1:1-Vollmodell aus Holz präsentiert wurde. Die beiden Formaufspannplatten sind an einer stehenden Achse befestigt, die sich zum Präsentieren der Form öffnen lässt, so dass der Bediener problemlos Zugang zu allen Bereichen des Werkzeugs hat.